WÜSTENWANDERUNG

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Wüstenwanderung

für Klavier (1986)

Wuestenwanderung-hoch-2018

 

Wo ist mein Auffenthalt? Wo ich und Du nicht stehen.

Wo ist mein letztes End

in welches ich sol gehen?

Da wo man keines findt.

Wo sol ich dann nun hin?

Ich musz noch über Gott

in eine Wüste ziehn.

(Angelus Silesius)

In sieben Stimmen wird die Erschaffung der Weltseele nach Platons „Timaios“ nachgezeichnet, die sich zunehmend kompliziert und an ihrer eigenen Komplexität, zur Maschine geworden, zusammenbricht. Sieben Artikulationsformen vom Tenuto zum Martellato versuchen durch das Netz der sieben Schichten ein „lch-Du“ zu retten doch verlieren sie sich in der Maschinerie. Die sieben Intervallschichten folgen der Proportion 1:2:3:4:8:9:27, ein Ineinandergreifen von Duodezimen und Oktaven, ein Nebeneinander der harmonischen Proportion 6:9:12 (e“‘ – a“ – a‘) und der arithmetischen Proportion 6:8:12 (e“‘ – h“ – e‘), das sich zunehmend zu immer engeren Intervallschichten auffüllt bis zur Ganztonreihe, die zum Schluß zur chromatischen Reihe umbricht. Das Stück ist nahezu unspielbar, da die überlagerten Schichten, die in jeweils eigenem Tempo den Klaviertonraum durchschreiten, ein stetiges Überkreuzen der Linien verursachen; dies von einem Pianisten plastisch zu gestalten, geht an die Grenzen der Spielbarkeit. Diese Überladung an Anforderungen entspricht dem beschriebenen Weg an Weg in die Irre, in die Wüste, die es zu Überschreiten gilt. Der Pianist ruft so auch zum Schluß des Stückes aus:

„Re Usura aus dem Fokus. Ich nahm ein Symptom für den Grund.

Der Grund ist Habgier“.

(Ezra Pound)