HYPERION

Briefoper nach Hölderlin (Libretto D.E. Sattler)
für Schreibenden, Sänger, Instrumentalisten und Schriftprojektionen (1989 /1990)

 

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Hyperion (1989/90)

Hyperion
Briefoper nach Hölderlin (Libretto D.E. Sattler)
für Schreibenden, Sänger (Sopran, hoher Bariton; BassBar.),
Instrumentalisten (AFl., Ob.d’amore, Bassetthorn, Hrn.,
Pos. (AltPos.), Tenortuba, Hrf., Cymbalom, 2 Perc.,
V1.1, Vl.2, Vla., Vc. (Streicher: chorisch oder solistisch)
und Schriftprojektionen (1989 /1990)

Die Absicht, mit D. E. Sattler zusammenzuarbeiten, geht auf einen gemeinsamen Aufenthalt in der Villa Massimo zurück. Ich erinnere mich an einen Abend mit Sattlers und Straub/Huillett, deren Filme ich sehr verehre und die gerade Hölderlins „Empedokles“ abgeschlossen hatten.

In Frankfurt kam es dann zur Idee, den „Hyperion“ zu vertonen. Hätte mir D.E. Sattler nicht ständig Mut gemacht, hätte ich mich nie an einen so wundervollen Text gewagt. Ich las mich ein, studierte die Hölderlin’sche poetische Theorie von dem „Wechsel der Töne“ und entwarf eine Architektur abrupter und sanfter Wechsel zwischen den drei „Tönen“: naiv, idealisch, heroisch. Jede der drei Protagonisten Diotima, Hyperion, Alabanda sollten diese „Töne“ in verschiedensten Kombinationen untereinander austauschen. Noch nie bis zu diesem Stück habe ich derart rasch wechselnde Charaktere komponiert. Diese Folge des ‚Wechsels der Töne‘ fand ihren äußeren Rahmen in der Schrift als formales Element. ‚Hyperion‘ ist ein Briefroman und so wollte ich jegliche „dramatische“ Aktion vermittelt durch das Schreiben von Briefen verstanden wissen. (Mozarts Da Ponte-Opern machen reichlich Gebrauch vom Brief als dramaturgische Regie der lntrige, ebenso de Laclos‘ „Gefährliche Liebschaften“ oder E.A. Poes „Der entwendete Brief“, den Lacan auf seine Begehrensstruktur hin analysierte.) Im ‚Hyperion‘ ist die Struktur einfacher, aber auch schmerzlicher.

Der „zur Asche“ gewordene, ausgebrannte Hyperion blickt auf sein Leben zurück, das er einer imaginären Person, Bellarmin schreibt. Diese Schreibvorgänge bilden nun akustisch wie optisch die Brücken und Trennungen zwischen dem „Wechsel der Töne“. Auch die reale politische Zeit tangierte just in dem Augenblick, als ich an der Scheltrede angelangt war, mein Komponieren. Die Ereignisse des Herbst 1989 waren wuchtig genug und konnten auch nicht in meiner Musik abgebildet werden. So wurde mein Zorn ein sanfter, ja wehmütiger. Mir war wichtig nach dem „Nächstens mehr“ noch das zerbrochene Lied der Diotima „Wenn aus der Ferne“, einem späten Fragment aus Hölderlins Fortsetzungsplänen zu Hyperion, an den Schluß zu setzen. Der zentrale Gedanke im Hyperion für mich ist denn auch der Konflikt von Liebe und Krieg, an dem die Liebe zerbricht. Der Konflikt, dem diese Briefoper ausgesetzt war, bis sie nun in dieser Fassung ohne den leibhaftigen Eremit und ohne szenische Vorgänge aufgeführt wird, ist ebenfalls zu Asche geworden und es ist besser, darüber zu schweigen …