LIED IM WÜSTENVOGELTON

für Bassflöte und Klavier (1987)

 

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Lied im Wüstenvogelton
für Bassflöte und Klavier (1987)

Lied im Wüstenvogelton

 

Das Lied im Wüstenvogelton schrieb ich Anfang 1987 in der Villa Massimo Rom. Das Nietzsche Gedicht trug ich während meines Berliner Jahres 1986 (meiner “Winterwanderschaft”) mit mir herum, und ich löste mich aus dem Paroxysmus dieser Zeit, indem ich dieses so melancholische Stück schrieb. Daß es sich auf ein Kinderlied bezieht, ist sowohl Abstreifen von etwas Überlebtem als Betreten von etwas Neuem. Dieses Neue fand ich in den Zeichnungen von Nanne Meyer, deren unendliche Assoziationsketten etwas von der Blochschen Utopie der Kindheit haben, wie er es am Ende seines “Prinzip Hoffnung” beschreibt. Diese Doppeltheit der Trauer und des Glücks fand ich in der Zeichenwelt von Nanne Meyer, und sie übertrug sich auf die Struktur der Komposition. Die Baßflöte tastet in unendlicher Langsamkeit die Töne eines Kinderlieds ab und fundiert den Dialog zwischen den beiden Instrumenten. (Vor Zeiten hatte ich auf der Straße Lieder, die Kinder sangen, mit dem Tonband aufgenommen: “Objets trouvés” mit allen Fehlern und Versingen und aus-der-Tonart-Geraten, darunter auch das Lied “Mein Name ist Hase. ich weiß von nichts”.) Der Pianist pfeift das Original in kurzen Bruchstücken. Sonst taucht das Lied nur in Verwandlungen auf, die schließlich einem neuen Lied Platz machen, das am anderen Ende der “Winterwanderschaft” steht. Nietzsche schweigt über diesen Horizont…